Währungslektion
Der Renminbi steigt. Warum sind die Exporte trotzdem so stark?
Entscheidend ist der reale effektive Wechselkurs: nicht nur der Kurs zählt, sondern die Preise auf beiden Seiten.
Ein Beispiel mit einer Bohrmaschine
- Dieses Jahr kostet eine Bohrmaschine in China und in Deutschland umgerechnet je 100.
- Ein Jahr später sind die Preise in China gesunken, die Maschine kostet 95; in Deutschland sind sie gestiegen, eine vergleichbare kostet 110.
- Der Wechselkurs hat sich nicht bewegt. Für einen deutschen Einkäufer kostet die chinesische Maschine aber nur noch rund 86 % der deutschen (95 ÷ 110).
- Das ist ein sinkender realer effektiver Wechselkurs: Der nominale Kurs ist gleich, doch mit den Preisen gerechnet ist der Renminbi billiger geworden.
Was in den letzten Jahren geschah
- Gegenüber dem Dollar bewegte sich der Renminbi zwischen 6,7 und 7,3, doch der reale effektive Kurs fiel von rund 100 im Jahr 2020 auf rund 90 im Januar 2026 (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich).
- Darum wirken chinesische Waren im Ausland billig und die Exporte sind stark; starke Exporte und Dollarverkäufe treiben wiederum den nominalen Kurs nach oben.
Wie es weitergeht
- Mit positivem PPI, steigenden Preisen und festerem nominalem Kurs erholt sich der reale effektive Kurs; der Preisvorteil wird langsam dünner.
- Konsumgüter verlieren ihn langsamer als Material und Ausrüstung: Die Preise ab Werk für Konsumgüter sanken im Juni noch (−0,9 %), jene für Produktionsgüter stiegen (+5,5 %).
Ein häufiger Rechenfehler
«Der nominale Kurs stieg um 3 %, der reale effektive fiel um 10 %, also sehen Einkäufer eine Abwertung um 7 %.»
Quellen
- Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: breiter realer effektiver Wechselkurs des Renminbi (via FRED), Januar 2026: 89,85
- Nationales Statistikamt: PPI nach Kategorien, Juni 2026
- Faktencheck der Meinungskarte V0001